Reisebericht White Night Rallye 2003

White Night Rallye St. Petersburg 2003

 

10. Juni 2003

 

Endlich ist es soweit! Während die erste Russlandtruppe aus Moskau heimkehrt, startet die zweite in Richtung St. Petersburg. Mit der Fähre soll es von Rostock nach Tallinn, Estland und von dort aus nach St. Petersburg. Am 10.06.2003 treffen wir uns im ETAP Hotel in Rostock. 27 Harleys, je eine Guzzi, Trude und Suzuki, ein Servicemobil, insgesamt 39 Personen inklusive Schrauber sorgen für reichlich Aufmerksamkeit. Spätestens das Erscheinen von Steffen auf seinem Tiefflieger sorgt auch innerhalb der Gruppe für Erstaunen. Das die Maschine Russlandtauglich ist können sich die E-Glidefahrer nur schwer vorstellen. Ausser Member des Dresden Chapter sind Vertreter des First Sachsen Chapter, des Elbe-Börde Chapter und mehrere Freunde dabei. Bis 20.00 Uhr sind alle eingetroffen und es geht zu Fuss - oder auch nicht - in die nächstgelegene Gaststätte. Erste Gelegenheit auch diejenigen kennen zu lernen, die man noch nicht gekannt hat. Nachdem alle, Dank Sam, wie immer preiswert aber gutem Essen die Anfahrt verdaut haben, bekommen alle Ihre Tourpackages. Letzte Instruktionen, insbesondere der Hinweis am nächsten Tag bitte pünktlich zur Abfahrt bereit zu sein, macht allen klar: Es geht wirklich los!

Der Abschluss des Abends ist auch gerettet, da Heike uns anlässlich Ihres Geburtstages grosszügig mit diversen mitgebrachten Getränken versorgt. Damit ist auch dem letzten klar, warum ein Servicemobil unbedingt zur Tour gehört.

 

11. Juni 2003

 

Nächsten Morgen trifft sich die Truppe völlig Harley-untypisch ungewöhnlich früh. Völlig verdellt erscheint auch Rex, der die Unterbringung in der luxusfreien Zone mit einem abenteuerlichen Sturz aus dem Hochbett bezahlt hat. Zum Glück blieb der darunterliegende Dieter unverletzt. Nach dem Frühstück wird die gesamte Ausrüstung wieder auf den Bikes verstaut. Hier zurrt einer alles zum drittenmal fest, einer fährt tanken, der andere doch nicht, kurz gesagt allgemeine Nervosität macht sich breit, schliesslich ist es für die meisten die erste Tour nach Russland.

Der Aufbruch ist entsprechend noch ziemlich chaotisch, aber auf dem Weg zum Fährhafen klappt es dann doch schon ganz gut und an der Grenzkontrolle wirkt der Haufen schon recht geordnet.

Pünktlich 14.30 Uhr kommt der Wink die Bikes zu verladen. Alle verschwinden im Bauch der riesigen Silja Line Fähre. Nach dem Hinweis, dass die Fahrzeugdecks während der Überfahrt nicht zu betreten sind, stellt so mancher fest, dass er vielleicht doch irgendwie sinnvoller packen sollte, aber was soll’s, schliesslich sind wir wirklich unterwegs.

Alle packen ihre Klamotten und gehen auf die Suche nach ihren Kabinen. Die erste positive Überraschung der Tour: Die Fähre ist super. Blitzsauber, die gebuchte 4er Kabine entpuppt sich als zwei 2er Kabinen mit je einer Dusche und WC für 2 Personen und reichlich Platz. Für den kleinen Aufpreis von 250 € gibt es sogar noch eine Zwischentür. Aber wer braucht das schon? Nachdem jeder seinen Kram verstaut hat, treffen sich die ersten nach ungefähr 5 Minuten auf der Sonnenterrasse. Da wir erst in 22 Stunden wieder auf den Bikes sitzen herrscht echte Urlaubsstimmung. Herrliches Wetter und der erste Kontakt mit echt finnischem Bier sorgen für ausgelassene Stimmung. Der einzige Dämpfer sind die echt skandinavischen Preise. Aber Hauptsache alles egal!

Nachdem es gegen Abend langsam frischer an Bord wird, sucht sich jeder ein Plätzchen unter Deck. Mehrere Restaurants und Bars stehen zur Auswahl und Tanzbar und Disco laden ebenfalls zur Erkundung ein. Ausser uns sind noch etliche weitere Biker unterwegs, die meisten auf dem Rückweg von der Superrallye in Budweis. Im Laufe des Abends gibt es dann auch einige nette Gespräche und eine freundliche Einladung vom MC aus Tallinn uns auf der Rückreise zu treffen und uns die Stadt zu zeigen.

Irgendwie sind alle ziemlich geschafft und am nächsten Tag müssen wir ja nicht nur die 450 km von Tallinn nach St. Petersburg bewältigen, sondern auch 2 Grenzen passieren, und das mit 30 Bikes und einem Auto. Die meisten nutzen daher die Zeit sich noch einmal richtig auszuschlafen.

 

12. Juni 2003

 

Ungefähr 20 Minuten vor dem Anlegen kann jeder wieder an sein Bike, Irgendwie ist doch jeder ziemlich erleichtert, dass den Lieblingen wirklich nichts passiert ist. Bike losbinden nicht vergessen, Klamotten wieder festzurren und runter vom Schiff. Schliesslich legt die Fähre in 30 Minuten auch schon wieder ab. Sammeln und an die estnische Grenzkontrolle fahren, klappt schon wie am Schnürchen. Die ersten werden heran gewunken und

Überraschung: Die Zöllner nehmen ihre Sache wirklich ernst. Fahrzeugpapiere, Pässe, alles wird genauestens kontrolliert. Sämtliche VEN-Nnummern werden genauestens mit den Papieren verglichen, schneller ginge es wahrscheinlich, wenn man nur wüsste, wo das Ding genau steht, aber wir haben ja André, unseren Schrauber dabei. Gute Planung ist allemal Gold und vor allem Zeit wert! Nach reichlich einer Stunde sind alle 30 Bikes abgefertigt und wir sind in Estland. Hier nimmt uns ein estnisches Securityfahrzeug in Empfang und es werden die mitgebrachten Funkgeräte verteilt. Nach der ersten Ermahnung der estnischen Polizei, dass auch in Estland Helmpflicht herrscht kann es los gehen. Die Esten fahren mit dem Auto voraus, hinten sorgt Uwe und sein Servicemobil für Rückendeckung. Ungefähr 180 km müssen wir bis zur russischen Grenze zurücklegen. Zum Glück sind die Strassen weit besser als erwartet und die Harleys müssen ihre Geländetauglichkeit doch nicht unter Beweis stellen. Auch das Formationsfahren wird von Kilometer zu Kilometer besser, so dass wir im gemütlichen Cruisertempo gut vorankommen. Die Strasse führt uns durch riesige ursprüngliche Wälder und weite Brachflächen, vorbei an einzelnen Gehöften und kleineren Dörfern und nachdem wir das Schild Achtung Elche passiert haben wird uns klar, dass Estland schon sehr weit im Osten liegt. Auf halber Strecke machen wir Rast und der mitgebrachte Proviant kommt zum Einsatz. Für eine grössere Pause reicht die Zeit nicht, da keiner einschätzen kann wie lange wir an der russischen Grenze warten müssen. Weiter geht’s und nach insgesamt gut 3 Stunden stehen wir vor unserem eigentlichen Ziel: Russland.

Vor uns warten bereits einige Autofahrer und die Spannung wächst. Dank hervorragender Organisation sind wir als Gruppe bereits an der Grenze angemeldet. Nach kurzer Klärung der Modalitäten erklärt uns Sam, dass wir zu viert an den wartenden Autofahrern vorbei zur ersten Grenzstation laufen können, dort unseren Zählschein bekommen, die Bikes holen und weiter zur nächsten Station fahren sollen. Gesagt getan, immer 4 Biker.... Klappt natürlich nicht, wer soll denn da auch den Überblick behalten. Aber schlussendlich bekommt auch der letzte sein Papier und es kann weitergehen. Als die Letzten dann an der eigentlichen Grenzkontrolle eintreffen, sind die ersten schon dabei diverse Formulare auszufüllen. Zollerklärung, Anmeldeformular in zweifacher Ausführung pro Person, dann mit Zählkarte, Pässen, Fahrzeugpapieren und Formularen an den Schalter, alles abgeben, warten bis alles registriert ist und auf Kommando vorfahren, Fahrzeugpapiere, Pässe dem Zöllner geben, warten bis alles kontrolliert ist, geht aber schon schneller, da ja Dank den Esten jeder weiss wo alle Nummern stehen. Nach für russische Verhältnisse kurzen 3 Stunden sind alle Bikes  und auch das Begleitfahrzeug abgefertigt und nach kurzem Stop an der dritten Grenzstation, abgeben der Zählkarte, haben wir alle Russland erreicht.

Hier erwartet uns bereits Sergej, der Presi des Werewolf MC, der uns von da an die gesamte Zeit begleiten wird, Natascha, die uns so flott über die Grenze gebracht hat und ein russisches Polizeifahrzeug. Nach kurzer Stärkung aus dem Servicemobil geht es ohne weitere Verzögerung wieder auf die Strecke. Schliesslich wollen noch rund 280 km bewältigt werden und mittlerweile haben wir unsere Uhren auf 20.00 Uhr Ortszeit vorgestellt. Angeführt mit Blaulicht geht es an die erste Tankstelle. Dank der Erfahrungen von Sam heisst es alle an einer Zapfsäule hintereinander tanken, geht eh schneller, und man kann mit Karte zahlen, da je noch keiner Rubel hat. Diejenigen, die versucht haben noch schneller zu sein und doch an einer anderen Zapfsäule gelandet sind, wissen spätestens jetzt, dass man in Russland sagen muss wie viel Sprit man will und erst dann tanken kann. Dumm gelaufen, aber ein echter Harleyfahrer lernt eben nie aus.

Und weiter geht es. Nach kurzer Zeit wird jedem klar, dass das gemütliche Tempo der Esten nur zum eingewöhnen war. In Russland haben wir Dank des vorausfahrenden Polizeifahrzeuges mit Blinklicht und Sirene und der Rückendeckung, die mittlerweile durch Sergej erfolgt immer Vorfahrt und es geht zügig weiter in den Osten. Ungefähr 50 Kilometer vor St. Petersburg stossen dann noch 2 Bikes des Werewolf MC zu uns, die als zusätzliche Blocker unschätzbare Dienste leisten. Von nun ab wird die Fahrt richtig spannend. Rote Ampeln, Fussgängerüberwege, Kreuzungen sind schlicht unbeachtlich, andere Fahrzeuge egal welcher Bauart stoppen nach kurzem Blick in den Rückspiegel. So ein Blaulicht müsste man auch in Deutschland haben! Die Strassen sind zwar nicht mehr ganz so gut wie in Estland, dass ein oder andere Schlagloch bringt vor allem diejenigen mit den breiten Schlappen und den Tieffliegern ganz schön ins schwitzen, aber dennoch hat keiner ernsthafte Schwierigkeiten. Dann kommen wir an die Stadtgrenze von St. Petersburg, ohne Stop geht es durch einen Checkpoint – schliesslich gibt uns das Blaulicht Deckung. Wir sind da! Es ist ungefähr 23.00 und taghell!

Letzter Halt an der Tankstelle. Nach kurzer Absprache zwischen Sergej und Sam fahren wir nicht direkt ins Hotel, sondern drehen eine erste Runde durch die Stadt. Mit Tempo 120 donnert die Truppe an der Newa entlang mitten ins Zentrum. Newski Prospekt, Admiralität, Winterpalais, Peter und Paul, Aurora, alles fliegt vorbei. Dann geht es wieder stadtauswärts, wieder ohne Stop durch einen Checkpoint und wir haben das Hotel erreicht. Alle haben Hunger und natürlich Durst, daher geht das Abladen der Bikes blitzschnell. Kurze Anmeldung an der Rezeption, auch hier gibt es keine unnötige Verzögerung. Jeder bekommt seinen Schlüssel. Dann treffen wir uns alle in der Bar, geschafft durch die vielen Eindrücke, glücklich dass alles so gut geklappt hat und nach der ersten Begegnung mit St. Petersburg gespannt auf die kommenden Tage. Eigentlich müssten wir auch müde sein, aber es ist immer noch hell – White Nights eben – daher vernichten wir erfolgreich die deutschen Biersorten, widmen uns dann den skandinavischen, stellen fest, dass man in Russland zwar gerne Euro aber ungern Dollar nimmt und freunden uns mit St. Petersburg zunehmend an.

 

 13. Juni 2003

 

Am nächsten Tag steht die Besichtigung des Peterhof, dem Sommerpalais der Zaren auf dem Programm. Abfahrt um 10.00 Uhr. Alle sind auch pünktlich beim Frühstück. Der Blick nach draussen ist jedoch wenig erhebend. Es giesst in Strömen. Also wird kurzerhand umgeplant. Die 60 Kilometer werden nicht per Bike, sondern mit diversen Taxis zurückgelegt. Nach dem Ritt des vergangenen Tages ist auch keiner so richtig böse darüber. Aufbruch ist so gegen 12.00 Uhr. Die Ankunft am Peterhof etwa 1 Stunde später. Es regnet nicht mehr, dafür ist allen schlecht. Russische Taxifahrer sind deutschen Mägen schlecht verdaulich, Tempo 100-140 km/h innerhalb der Stadt sind mit dem Auto schlicht atemberaubend. Darüber hinaus werden die Strassen immer abenteuerlicher, je weiter man sich vom Zentrum entfernt. Besonders eine Kreuzung beeindruckt uns alle. Die Strassenbahnschienen stehen mindestens 20 cm über Strassenniveau, dafür sind die Schlaglöcher ungefähr gleich tief. Jedem wird bei der Vorstellung dort mit den Bikes langzufahren noch schlechter. Dank der Entscheidung mit dem Auto zu fahren kommen wir trotzdem alle heil an. Nach einer kurzen Einweisung durch Andrej, unseren Führer vor dem Lageplan des Peterhof, bekommen wir unsere Eintrittskarten und die Zeit drängelt auch schon, da eigentlich um 13.00 Uhr das Essen bestellt war. Unsere Plätze sind immer noch frei, es fängt auch schon wieder an zu regnen, also nichts wie hinein. Sam hat für uns alle ein Menü vorbestellt, so dass sich die Qual der Wahl nur noch auf die Getränke beschränkt, dies geht dann auch zügig. Zeit haben wir sowieso nur bis 14.30 Uhr, da dann unsere Gruppe zur Führung durch das Innere des Peterhof angemeldet ist. Es kommt die Vorspeise, bereits hier sei angemerkt, das Essen ist wirklich sehr gut, und plötzlich fällt auf, dass noch einige Plätze frei sind. Grosses Rätselraten, dann ist klar Wolfi, Ralph und Siggi fehlen. Einige wollen sie bereits gesehen haben andere nicht, aber sicher sind alle, in ein Taxi sind sie auch gestiegen.

Glücklicherweise hat Uwe sein Handy an und es klingelt auch bald. Zwar sind die Jungs auch in Peterhof, wissen aber leider nicht wo. Dank Vermittlung von Andrej, Hinzuziehung eines russischen Händlers, schliesslich kann keiner kyrillische Buchstaben entziffern, wird klar, sie stehen vorm falschen Eingang. Andrej hetzt los und unsere verlorenen Söhne werden wieder in die Truppe eingegliedert. Pech, zum Essen leider zu spät. Aber mittlerweile ist es sowieso Zeit sich in die immense Schlange einzureihen, die auf Einlass wartet, Petrus ist uns hold, es hat aufgehört zu regnen. Nach gut einer halben Stunde gehen den meisten die Witze aus, die Stimmung wird schlechter und Andrej erkundigt sich rasch nach der weiteren Vorgehensweise. Zwar waren wir angemeldet, ausser uns jedoch zur gleichen Zeit noch fast weitere 15 Gruppen. Na ja! Es war russischer Nationalfeiertag und alle Russen haben staatlich verordneten Urlaub und die Kräfte am Einlass sind wohl auch eher national eingestellt. Kurze Umplanung und wir lassen den mittlerweile eingetroffenen zweiten Führer in der Schlange stehen und ziehen die Besichtigung des Parks vor. Über den Park könnte man Romane schreiben, über die traumhaften barocken Wasserspiele, die nur durch geschickt eingesetzte Wasserkraft funktionieren. Monplaisir direkt am Meer, die kleine private Residenz. Alles ist Dank der 300 Jahrfeier von St. Petersburg frisch restauriert und vergoldet. Ein unbeschreiblich schöner Anblick.

Angetan haben uns aber vor allem die in einem Teil des Parks installierten Überraschungsbrunnen. Angeblich durch bestimmte Steine, auf die man tritt in Bewegung versetzt, spritzt Wasser über Wege, Bänke, eben dort, wo eigentlich kein Springbrunnen etwas zu suchen hat. Mutige vor, aber ohne Regenkombi bleiben Mopedfahrer doch eher wasserscheu. Spass gemacht hat es dennoch allen. Im Park selbst trifft man Gott und die Welt, so auch Paul, der ein paar koreanische Mönche zum Grössenvergleich aufforderte, und natürlich zumindest körperlich gewann. Nach fast drei Stunden sehnt sich jeder nach einem Sitzplatz und einem Kaffee, da wir am Abend noch vom Werewolf MC zu einer Überraschungsparty mit Bike eingeladen sind. Also zurück zum Restaurant. Pünktlich zur Einkehr fängt es auch wieder an zu schütten. Einhellig wird beschlossen trotz schon wieder knapper Zeit noch einen Anlauf zu unternehmen ins Innere des Peterhof vorzudringen. Schliesslich hat der arme Führer in Warteposition tapfer ausgeharrt. Ausserdem fällt uns langsam auf, dass lauter Schwarze auch zu Fuss einen finsteren Eindruck machen können. Mit grimmigen Gesichtern kommen wir dann auch endlich bis zur Tür und mit erheblichem Gequetsche auch dadurch. In zwei Gruppen bewundern wir das auch wirklich sehenswerte Innenleben des Palais. Es war die richtige Entscheidung, schliesslich weiss keiner wann er wieder einmal zurückkehrt. Glückliche Fügung auch, am Ende der Führung steht noch ein Geldautomat, der uns mit den bislang arg knappen Rubeln versorgt. Dem Abend können wir nunmehr getrost entgegen sehen. Allen ist leicht mulmig, da wieder eine Taxifahrt ansteht, aber da muss man durch, schliesslich sind wir harte Biker.

So gegen 19.00 Uhr treffen wir wieder im Hotel ein, wo uns Sam schon dringend erwartet. Um 20.00 Uhr wollen uns die Member des Werewolf MC bereits abholen, zu weiss wer was. Also umziehen, Motorradkluft an und sich überraschen lassen. Nach den Erfahrungen der ersten Stadtrundfahrt mit den Jungs bitten einige um Gnade und gemässigte Geschwindigkeit. Schade, ein ganzer Satz hätte ohne weiteres Lust noch einmal so ein Erlebnis zu haben. In Deutschland schliesslich unvorstellbar. Aber auch so ist die Ausfahrt durch die Stadt cool und oben drein sieht man auch tatsächlich etwas. Irgendwann biegt die ganze Truppe in einen Park ein, Schranken öffnen sich und der Konvoi rauscht durch die Fussgängerzone zum Ziel: Das Red Lion, ein russischer Pub und die Stammkneipe des Werewolf MC. Da wir uns nicht blamieren wollen, reitet die Truppe in geordneter Formation vor und auch die Bikes werden ordentlich gestellt. Also schnell was zu essen ordern, denn Kultur macht hungrig. Ausserdem sind wir vorgewarnt, dass eine Einladung der Russen sehr feucht und sehr fröhlich werden kann. Kaum haben wir bestellt, stehen auch schon 2 Flaschen Wodka auf jedem Tisch, wohlgemerkt es sind kleine Tische. Leichte Panik kommt auf, schliesslich stehen die Bikes draussen. Während wir noch auf das Essen warten kommt jedoch bereits die Entwarnung, die Bikes können im Hof der Kneipe über Nacht bleiben und werden bewacht. Erleichterung macht sich breit, denn den Wodka abzulehnen wäre schliesslich der Gipfel der Unhöflichkeit. Livemusik bringt schnell Schwung in den Laden, der Wodka tut sein übriges. Schnell kommt man mit den Russen ins Gespräch, Englisch, Deutsch, Hände und Füsse helfen weiter und im Notfall kann man sich auch an die beiden Dolmetscherinnen der Russen wenden.

Erhardt wird zum deutschesten der deutschen Biker gekürt und erhält einen echten deutschen Stahlhelm. Cool! Da soll noch mal jemand sagen, die Russen geben ihre Kriegsbeute nicht zurück. Auch im Bierkampftrinken können wir uns behaupten. Olof geht für uns ins Rennen, manche gucken zwar bedenklich, schliesslich ist der Russe ein wahrer Goliath, aber David gewinnt souverän. Dann werden wir aufgefordert ein deutsches Lied auf die Bühne zu bringen, peinliches Schweigen, Gregor kann uns jedoch retten und bringt typisch deutsch: Toastbrot-Baby. Hier wäre sicherlich noch einiges verbesserungsfähig. Aber die Stimmung ist bereits an einem Punkt angelangt, an dem man solche Kleinigkeiten ignoriert, es ist 1.00 Uhr, eine super Party und es ist immer noch hell, White Nights in St. Petersburg. Dass es zwischen 2 und 4.00 Uhr etwas dunkler wird fällt jedenfalls keinem auf, denn als wir ins Taxi steigen ist es wieder gewohnt hell.

 

14. Juni 2003

 

Frühstück gibt es zum Glück erst um 10.00 Uhr. 12.00 Uhr steht der Bus zur Stadtrundfahrt bereit, mittlerweile sind auch alle wieder aufgetaucht. Jürgen muss leider feststellen, dass sein nächtlicher Ausflug mit zwei Russen nicht ganz schadensfrei abgegangen ist. Irgendwie ist seiner Guzzi der Satz über den Bordstein nicht bekommen. Zum einen ist das Topcase abgebrochen und vor allem hat die Felge eine riesige Delle. Aber heute brauchen wir die Bikes ja nicht.

Also los, schliesslich wartet St. Petersburg. Die Stadtrundfahrt führt uns an allen für Touristen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei und vermittelt uns einen Eindruck davon, wie gross St. Petersburg ist und dass wir Wochen bleiben müssten, um alles zu sehen. Erster Stop ist an der Birschewaja Ploschad mit ihren zwei Rostrasäulen. Hier teilt sich die Newa in zwei Arme, gegenüber liegt die Peters und Paul Festung. Um uns herum sieht man überall Brautpaare, die sich hier treffen. Ein echtes Kontrastprogramm zu uns „Schwarzen“. Auch der echte russische Tanzbär fehlt nicht, allerdings in Miniaturausgabe. Streicheln auf eigene Gefahr, was auch prompt danebengeht. Einsteigen und auf zum nächsten Platz, dem Isaaksplatz mit der gleichnamigen Kathedrale. Weit spannendender als Architektur sind allerdings die Verkaufsstände, Mützen mit russischen Orden, Kristall und Babuschkas mit den Beatles. Einsteigen und zum nächsten Stop, der Christi-Auferstehungskirche. Endlich einmal eine echte russische Kirche mit Zwiebeltürmchen, Gold und Mosaiken, eben so wie man sich das vorstellt. In St. Petersburg allerdings eine echte Rarität, da ursprünglich diese Bauart verboten war. Die nächste Station ist die Peters und Paul Festung. Erste Ermüdungserscheinung. Einige verweigern das Kulturangebot und gehen lieber einen Kaffee trinken. Nach einem letzten Halt auf dem Alexanderplatz mit Fotoshooting vor dem Winterpalast geht es per Bus ins Red Lion, um die Bikes wieder abzuholen. Alle Fahrer raus, natürlich wird die Gelegenheit zu einer kleinen Stärkung genutzt. Der Rest fährt vierrädrig weiter und landet völlig geschafft wieder im Hotel. Diejenigen, die ihren Mopedschlüssel im Hotel vergessen hatten können auch schnell noch ihr Bike holen.

Irgendwann gegen 21.00 Uhr sind alle wieder im Hotel, wer will kann sich noch kurz frisch machen – innerlich oder äusserlich, um 22.00 Uhr wartet schon wieder der Bus, denn es steht noch die nächtliche Bootsfahrt auf der Newa auf dem Programm. An der Anlegestelle wartet schon Sergej vom Werewolf MC auf uns, leider sind die Member zum grössten Teil verhindert. Auf dem Boot wartet schon der obligate Wodka auf uns, aber auch ein hervorragendes russisches Essen und eine russische Folkloregruppe. Vom Wasser sieht die Stadt aus wie im Märchen. Die Fahrt geht bis zur Newamündung und zurück. Derweil unterhält uns man uns mit einem wirklich guten Folkloreprogramm. Ausserdem lädt uns Sergej ein, im August zu ihrer Party wieder nach St. Petersburg zu kommen und alle Anwesenden bekommen als Gastgeschenk einen Pin und ein T-Shirt. Ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle nochmals dafür. Pünktlich zum eigentlichen Highlight der Fahrt sind wir wieder im historischen Kern. Ausser unserem Boot tummeln sich alle zur Verfügung stehenden schwimmenden Beförderungsmittel auf dem Fluss, überall ist Party. Ab 2.00 Uhr gehen alle Newabrücken hintereinander auf. Dank der traumhaften Beleuchtung ein wirklich einmaliges Schauspiel.

Da sich die letzte Brücke um 4.00 Uhr öffnet müssen wir anlegen, damit der Bus noch auf die andere Seite kommt. Bis sich alle einig sind, ob sie ins Hotel wollen oder lieber in die nächste Disko, Andrea ihre kurze Unpässlichkeit überwunden hat, winkt uns der Busfahrer jedoch schon ab: Zu spät. Und tatsächlich sehen wir die letzte Brücke gerade noch aufgehen. Nach kurzer Überredung klärt sich der Busfahrer jedoch bereit einen Umweg zu fahren und ins Hotel zu fahren. Der Rest fällt gegenüber in die nächste Disko. Als so gegen 6.00 Uhr die Sonne in die Fenster knallt beschließen dann auch die letzten, dass es langsam Zeit wird ins Hotel zurückzukehren. Müde ist allerdings wieder mal keiner. Draussen warten auch bereits Taxis und nach zähem verhandeln fährt eine Truppe ins Hotel, die andere geht noch frühstücken. Da die Sonne lacht erobern wir die Bank vor dem Hotel. Kurze Diskussion, ob bereits Kaffee oder immer noch Bier, die Entscheidung ist leicht und für ein paar kurze Stunden geht es dann tatsächlich einmal ins Bett.

 

15. Juni 2003

 

Eigentlich steht der Tag zur freien Verfügung. Ein paar andere beschließen sich entweder einmal richtig auszuschlafen oder by Bike St. Petersburg in seiner ganzen Grösse zu erforschen. Nachdem Sam jedoch von einer hervorragenden Kneipe erzählt, schliessen sich die meisten doch wieder an. Zunächst wundern wir uns, warum ständig Sirenengeheul um uns herum ist, aber die Alarmanlagen der russischen Autos sind einfach dem Gedonner der schweren Maschinen nicht gewachsen und so begleitet sie uns ständig auf unserer Fahrt durch die Stadt. Auf Wunsch der meisten fahren wir wieder unter Führung der Russen mit den Bikes in die Stadt und besichtigen auch noch den Panzerkreuzer „Aurora“. Anschliessend geht es dann wieder ins Zentrum, direkt an die Auferstehungskirche. Hier befindet sich Sams Geheimtip. Das Essen ist auch wirklich hervorragend und entsprechend gut ist auch die Stimmung.

Hier verabschieden sich die Russen dann auch von uns, so langsam kennen wir uns ja nun selber aus. Die Bewachung der Bikes übernehmen abwechseln ein paar von uns. Anschliessend kann jeder noch über den Newskij Prospekt bummeln. Mit seinen 5 km Länge bietet diese Strasse jede Möglichkeit zum Einkauf. Designermoden, Waffen, Antiquitäten, Delikatessen, einfach alles. Natürlich auch jede Menge Restaurants, Cafés und Bistros. Dementsprechend herrscht hier Hochbetrieb. Touristen, Einheimische, ein internationales Mix. Einfach toll. Nach 3 Stunden haben wir uns wieder beim den Bikes verabredet. Pflastertreten ist anstrengend und in Motorradklamotten doppelt, so dass jeder froh ist auf seine Maschine zu steigen. Über eine der abenteuerlichsten Strassen überhaupt geht es dann mit den Bikes ein letztes Mal über den Newskij Prospekt. Bereits nach den ersten Metern hat Andreas mit seiner Harley Probleme, also halten wir vor dem Winterpalais und warten. Ursache ist ein platter Reifen. Ziemlich ratlose Gesichter da unser Servicemobil im Hotel steht, aber zum Glück hat Heiko ein Reifenreparaturspray dabei und vor allem auch eine Ahnung wie dieses funktioniert. Suzukifahrer eben. Also alles nicht so tragisch und es kann weiter gehen.

Für den Abend ist nichts spezielles geplant. Ein Teil der Truppe beschliesst im Hotel zu essen und früh ins Bett zu gehen, um sich vor der Abfahrt noch einmal ausschlafen zu können. Sam will noch einmal ins Red Lion und sich bei den am Abend zuvor verhinderten Member des Werewolf MC bedanken. Da die Sonne scheint und es dort eine grosse Terrasse gibt, beschließen etliche mitzufahren und noch einen echten russischen Hamburger zu sich zu nehmen. Anschliessend geht es dann wieder ins Hotel. Dort erwartet uns dann eine echte Überraschung in Form von 12 Flaschen Wodka. Das Präsent unserer russischen Freunde für den Abschlussabend. Nun ja!

 

16. Juni 2003

 

Nach einem wirklich frühen Frühstück heisst es dann zusammenpacken. Alles wird wieder auf die Bikes gepackt. André, unser Schrauber kann es immer noch nicht fassen, dass die Topcases halten, teilweise sind auch abenteuerliche Konstruktionen zu sehen, aber es hält. Achims Anlasser dagegen hat endgültig den Geist aufgegeben, Olof`s Maschine will auch noch nicht so früh, aber anschieben hilft. Vor Verlassen des Hotels muss noch jeder sein Securitybändchen zeigen, unser Polizeifahrzeug und Sergej mit seinem Mercedes, Blaulicht inklusive stehen auch schon bereit und es kann wieder auf die Strasse gehen. Bei der Fahrt aus der Stadt herrsch ziemlich viel Verkehr, aber unsere Truppe hat mittlerweile genug Erfahrung mit der russischen Fahrweise und Dank Blaulicht und hervorragender eigener Blocker kommen wir trotzdem gut voran. Allerdings muss Heiko die Erfahrung machen, dass es noch wichtigere Blaulichter gibt als unsere und dass in diesem Fall man als Blocker doch lieber Fersengeld geben sollte. Nach reichlich einer halben Stunde haben wir den Stadtrand von St. Petersburg erreicht. Eine wirklich gigantische Stadt. Zurück auf der Landstrasse Richtung Tallin. Nach massiven Anlaufschwierigkeiten, ständigen Stops zum Pinkeln, Fotografieren und sonstigem geht es zum ersten Tankstop. Hier wird beschlossen, dass wir uns doch etwas zügiger fortbewegen müssen und weiter geht es. Vor der russischen Grenze ein letzter Tankstop und nun heisst es tatsächlich Abschied nehmen von unseren russischen Freunden. Bei der russischen Grenzabfertigung funktioniert alles wieder wie am Schnürchen und blitzschnell ist die gesamte Truppe durch, die Esten wollen es jedoch wieder ziemlich genau wissen. Aber trotzdem sind wir zügig zurück in Estland. Hier gibt es erst einmal einen Kaffee. Wir haben nach den Erfahrungen auf der Hinfahrt für die Rückfahrt auf Security verzichtet und mit zügigem Tempo geht es nach Tallinn, unsrer letzten Station dieser Reise.

Nach dem letzten Tankstop will Gregor`s Sporty plötzlich nicht mehr. Währen die Truppe gleich weiter fährt bleibt das Servicemobil, André und unser Schlussmann Hans zurück. Jürgen schliesst sich auch noch an, da er sich eine riesige Delle in die Felge gefahren hat und lieber beim Servicewagen mitfährt. André kann den Fehler nicht so schnell finden, also Hänger raus aus dem Bus, Maschine verladen und weiter geht es. Gregor ist auch gar nicht unzufrieden, immerhin gibt es im Auto kaltes Bier und St. Petersburg war schliesslich ziemlich anstrengend. An der Tankstelle am Ortseingang von Tallinn treffen wir die Truppe wieder. Dank Uwe`s zügigem Tempo hatten wir sie tatsächlich fast eingeholt, so dass keiner lange warten musste. Das Hotel ist auch gleich um die Ecke und wirklich super. So gegen 17.00 Uhr treffen alle wohlbehalten dort ein und zum Glück ist die Bar auch schon geöffnet. Jetzt sind wir alle gespannt, ob unsere Verabredung mit dem MC auf der Fähre auch stattfindet.

Nach kurzem Telefonat von Sam teilen uns die Jungs mit, dass sie uns um 20.00 Uhr im Hotel abholen. In der  Zwischenzeit kann André den Fehler an Gregor`s Sporty beheben. Es hatte sich zum Glück nur ein Kiesel im Belt festgesetzt. Tatsächlich kommen 3 Member, davon 2 in ihren Wagen. Für die überzähligen werden Taxis geordert und die ganze Truppe fährt in ein tolles estnisches Restaurant ausserhalb der Stadt direkt am Meer. Leider sind wir zu spät, die Küche hat geschlossen. Nach einiger Überredung bekommen wir zum Glück trotzdem noch etwas zu essen. Anschliessend geht es nach einer kleinen Stadtrundfahrt noch in die Altstadt von Tallin in eine gemütliche Kneipe. Mittlerweile ist es jedoch bereits nach 1.00 Uhr und die meisten sind ziemlich geschafft. Aber wir sind uns alle einig, dass man für Tallinn viel mehr Zeit gebraucht hätte, denn die Stadt ist wunderschön.

 

17. Juni 2003

 

Pünktlich 12.30 Uhr erwartet uns die Fähre. Also wieder früh raus, packen. Jetzt will Axel`s E-Glide nicht mehr. Die Lichtmaschine ist im Eimer. Aber es ist ja wieder Platz auf dem Hänger, dementsprechend schnell kann geholfen werden und wir kommen zeitig an der Fähre an. Das Verladen ist bereits Routine. Allerdings haben wir auch dazugelernt und holen uns unser Bier lieber im Duty Free. Leider ist es ziemlich kalt, aber ein windgeschütztes Plätzchen und dicke Klamotten  ermöglichen es uns doch den Tag im Freien zu verbringen. Um 22.00 Uhr verabreden wir uns alle in der Bar. Wir wollen uns bei Dany, dem Sohn von Sam, bedanken, der die ganze Zeit gefilmt hat und uns auch ansonsten jederzeit hilfreich zur Seite stand. Nachdem der Musiker auf Wunsch dann echte „Rockermusik“ zum Besten gab wird aus dem bedanke mich eine echt geile Party, mit der niemand gerechnet hat. Obwohl die Bar eigentlich um 23.00 Uhr schliesst, können wir bis eins feiern. Wahrscheinlich haben sich die Barmänner schlicht nicht getraut ihren Laden dicht zu machen. Dann geht es noch in die bordeigene Disco und irgendwann auch mal in die Koje.

 

18. Juni 2003

 

Gegen 10.30 kommen wir wieder in Rostock an. Durch die Grenze fahren wir noch gemeinsam. Danach heisst es Abschied nehmen von alten und neuen Freunden. Alle müssen wieder zurück. Nürnberg, München, Hildesheim, Köln, Berlin, Leipzig, Magdeburg und natürlich Dresden. Alle sind ein bisschen traurig. Wir hatten zusammen eine unglaublich schöne Zeit und wie immer viel zu kurz. Dankeschön noch einmal an Sam, dessen Organisation einfach super war! ........................ und auf jeden Fall auf Wiedersehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

   
   
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